INTERVIEW MIT MORITZ SCHMITT, BUSINESS DEVELOPMENT MANAGER BEI HUAWEI FUSIONSOLAR DEUTSCHLAND
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Wie lassen sich PV-Anlagen, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur wirtschaftlich und zuverlässig in Logistik- und Industrieimmobilien integrieren? Welchen Stellenwert hat die Energieinfrastruktur eines Gebäudes heute und in Zukunft? Darüber spricht die BUILDINX mit Moritz Schmitt von Huawei FusionSolar Deutschland.
Wir beobachten gerade eine massive Dynamik im Logistiksektor bezüglich eigener Energieinfrastruktur. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, hier groß einzusteigen?
Schmitt: Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben die Volatilität fossiler Kraftstoffe weiter erhöht. Damit verliert die Diesel-Flotte zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit – vorausgesetzt, E-Lkw können kostengünstig am eigenen Standort geladen werden.
Gleichzeitig erleben wir eine ideale Marktsituation: Die Preise für PV-Anlagen, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur sind deutlich gesunken, während E-Lkw inzwischen die Serienreife erreicht haben. Für Unternehmen bedeutet das niedrige Investitionshürden bei gleichzeitig hoher Praxistauglichkeit.
Logistiker und Gewerbebetriebe mit großen Dachflächen haben heute die Chance, Strom günstig selbst zu erzeugen. Dadurch kann die Total Cost of Ownership (TCO) einer E-Flotte bereits heute unter der einer vergleichbaren Diesel-Flotte liegen.
Huawei ist seit zehn Jahren weltweit die Nummer eins bei PV-Wechselrichtern. Wie übertragen Sie diese Expertise auf den speziellen Bereich der Logistik- und Industrieimmobilien?
Schmitt: Die DNA von Huawei liegt im Mobilfunksektor – einem Bereich, in dem Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit entscheidend sind. Diese Kompetenz in zuverlässiger Leistungselektronik steckt heute unter anderem in Mobilfunktürmen, Wechselrichtern, Ladeinfrastruktur und E-Auto-Antriebssträngen.
Der Dreiklang aus Verfügbarkeit, Sicherheit und Effizienz hat Huawei bei PV-Wechselrichtern weltweit zur Nummer eins gemacht. Diese Prinzipien übertragen wir nun auf das gesamte Energie-Ökosystem – auch im C&I-Sektor, wo sie über den Projekterfolg entscheiden.
Welche technischen Gegebenheiten muss ein Standort mitbringen, um für den Aufbau eigener Ladepunkte geeignet zu sein?
Schmitt: Eine ausreichend dimensionierte Dachfläche mit statischen Reserven ist ideal, da der selbst erzeugte PV-Strom die wirtschaftliche Basis bildet (günstigste kWh). Auf dem Gelände wird modularer Platz benötigt. Die Ladeinfrastruktur wird hocheffizient entweder direkt zwischen den Laderampen oder auf separaten Freiflächen für die Zugmaschinen platziert; die Speicher flexibel im Außenbereich.
Sicherheit ist für Logistiker, die Millionenwerte in ihren Hallen lagern, das A und O. Wie garantieren Sie, dass die Kombination aus PV, Speicher und Ladestationen kein Risiko für das Firmeneigentum darstellt?
Schmitt: Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Als weltweit erster Hersteller wurden all unsere Batteriespeichersysteme vom TÜV Rheinland mit dem Safety Level Prime Zertifikat ausgezeichnet. Auch unsere Ladeinfrastruktur erfüllt strengste Industrie-Sicherheitsstandards, um jegliche Risiken (wie z. B. Fehlerströme) für Mensch und Fahrzeug absolut auszuschließen.
Ein unterschätztes Risiko im Feld sind fehlerhafte oder gealterte Steckverbindungen, die Lichtbögen und Brände verursachen können. Integrierte Temperatursensoren an den DC-Anschlüssen, die das System im Ernstfall proaktiv und sekundenschnell abschalten, schaffen hier Abhilfe. Ergänzend wird KI eingesetzt, um Lichtbögen auf dem Dach präzise zu erkennen und zu eliminieren, bevor ein Schaden entstehen kann (AFCI).
Projektentwickler und Investoren achten penibel auf die Total Cost of Ownership (TCO). Warum rechnet sich ein ganzheitlich gedachtes Solar-Ökosystem im Vergleich zu günstigeren Teillösungen?
Schmitt: Wer Komponenten verschiedener Hersteller mischt (Multi-Vendor), trägt das volle Schnittstellenrisiko bei Planung, Softwareintegration und im Servicefall. Kommt das gesamte Ökosystem aus einer Hand, kommunizieren die Komponenten reibungslos miteinander. Das senkt die Betriebskosten (OPEX) drastisch.
Wie steht es um Bestandsgebäude, lohnt sich hier eine Aufrüstung, um eine eigene Energieinfrastruktur aufzubauen? Geht das überall?
Schmitt: Wirtschaftlich ist das fast immer ein No-Brainer: Die Nachrüstung lohnt sich nahezu ausnahmslos. Eigener PV-Strom ist je nach Netzbezugstarif um 30 bis 60 Prozent günstiger. Zudem fungiert der Batteriespeicher als Retter vor extremen Lastspitzen, die die Netznutzungsentgelte schnell in fünf- bis sechsstellige Höhen treiben.
Wenn die Statik eines Bestandsdaches keine schwere PV-Anlage zulässt, bedeutet das längst nicht das Projekt-Aus. Hier kann man mit gewichtsoptimierten Systemen arbeiten, auf angrenzende Freiflächen ausweichen oder innovative Fassaden-PV-Lösungen nutzen.
Und sollte der Netzanschluss des Bestandsgebäudes zu schwach für E-Lkw sein, lässt sich das technologisch über Power-Sharing-Funktionen und smarte Pufferspeicher abfangen. Für den Speicher selbst findet sich dank kompakter Bauweise und flexibler Sicherheitsabstände auf fast jedem Gelände der passende Platz.
Wenn wir uns in fünf Jahren wieder auf der BUILDINX treffen: Welchen Stellenwert wird die Energieinfrastruktur dann für den Wert einer Logistikimmobilie haben?
Schmitt: In fünf Jahren wird eine Logistikimmobilie ohne integrierte Energieinfrastruktur ein massives Risiko für den Wertverlust darstellen (Stichwort: Stranded Asset). Da die TCO von E-Lkw kontinuierlich besser wird als die von Dieselfahrzeugen, werden Mieter und Logistiker Standorte ohne ausreichende Lade- und Erzeugungskapazitäten schlichtweg meiden. Die Energieinfrastruktur bestimmt künftig maßgeblich den Immobilienwert und die Vermietbarkeit.
Mit dem Zusammenspiel aus PV, Speicher und intelligentem Laden können Standorte schon heute zukunftssicher aufgestellt werden – auch bei begrenzter Netzkapazität.
